Fr 23. Oktober 20:00 Einlass 19:00
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Ghostpoet

Tony Njoku
Fr 23 Okt 20:00 Einlass 19:00
Tickets Örtlicher Veranstalter Tickets auch an allen bekannten Vorverkaufsstellen verfügbar

Jenseits aller definierbaren Genres, irgendwo zwischen HipHop, TripHop, Ambient, Indierock, Electronica und LoFi bewegt sich die aufregende, häufig sehr dunkle Musik von Obaro Ejimiwe aka Ghostpoet. Der in England lebende gebürtige Nigerianer hat sich einen festen Platz gesichert in der britischen Musikszene, sein Sound gilt als eine Art akustische Umsetzung all der Schatten, die sich auf unseren Seelen befinden – ob als Individuum oder als Gesellschaft. Mit seinen bislang vier Alben, von denen zwei für den Mercury Prize nominiert wurden, hat er einen Korpus von Musik geschaffen, der seinesgleichen sucht. Nach einer längeren Pause erscheint nun am 1. Mai sein fünftes Album „I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep“, im Anschluss geht er auf Europa-Tournee, die ihn zwischen dem 17. und 29 Oktober auch für drei Konzerte in Köln, Berlin und München nach Deutschland führen wird.

Einst in einem Interview darauf angesprochen, wie man seine Musik denn nennen könnte, antwortete Ghostpoet: „Ich finde nicht, dass man Musik mit einem Genre oder Label versehen sollte. Ich bin schlicht ein Künstler, der gern mit Sound experimentiert und Gitarren liebt. Nicht alles im Leben muss erklärbar sein.“ Diesem Credo folgend, spielt Ghostpoet seit Anbeginn seiner Karriere in einer eigenen Liga. Der heute in London lebende Künstler wächst irgendwo im Nirgendwo zwischen Nigeria, der Dominikanischen Republik und Coventry, UK auf. In der abgewirtschafteten Ex-Industrie-Metropole inmitten Englands kämpft er in der Jugend mit dem weit verbreiteten No-Future-Überdruss.

So handeln auch zahlreiche Songs seines 2011 erschienenen Debütalbums „Peanut Butter Blues And Melancholy Jam“, die er in seiner Studentenzeit zu schreiben beginnt, von unbestimmten dunklen Gefühlen und Orientierungslosigkeit. Ejimiwes von Angst getriebene Raps erzählen vom Kampf gegen Langeweile, von versoffenen Pub-Nächten und der folgenden Melancholie im Morgengrauen. Bereits dieses Debütalbum wird, wie später auch das dritte Werk „Shedding Skin“ (2015), für den Mercury Prize nominiert. Zu Recht, denn sein dunkler, an TripHop Marke Tricky wie auch an „jungen“ britischen Rap im Stil von Roots Manuva und Speech Debelle erinnernder Sound formuliert in einer völlig neuen Weise die Ängste und Zweifel junger Menschen.

Über eine Vielzahl an Kollaborationen – darunter mit Massive Attack, Nadine Shah, Melanie Di Biasio, Maximo Parks Paul Smith and Damon Albarns Africa Express – erweitert er seinen eigenen musikalischen Kosmos stetig. Eine andere wichtige Erfahrung findet er in dem Projekt „Mix the City“, für das Künstler im Auftrag der britischen Regierung bestimmte Regionen besuchen, dort mit lokalen Künstlern arbeiten, ihre Musik sampeln und daraus einen eigenen Mix erstellen. Ghostpoet entscheidet sich für den West-Balkan, und auch diese Einflüsse kann man in seiner Musik hören.

Sein nun anstehendes fünftes Album „I Grow Tired But Dare Not Fall Asleep“ wird bereits beschrieben als das „Musikalischste“ bisher. Mehr denn je verwendet er darauf analoge Instrumente und wendet sich ab von der rein digitalen Musikproduktion – was auch seinen Shows zugutekommt, bei denen er von einer kompletten Band begleitet wird. Und auch inhaltlich hat er sich enorm entwickelt – aus den anfänglich noch sehr persönlichen Introspektionen sind mittlerweile wortreiche Meditationen über die moderne Welt und unsere an vielen Krankheiten leidenden Gesellschaften geworden. All dies kann man nun im Oktober live erleben im Rahmen seiner drei Deutschland-Konzerte in Köln, Berlin und München.

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